Die Kraft des Windes



Erschienen in Bonsai Italia Ausgabe 29 September/ Oktober

Die Kraft des Windes von Christian Przybylski

Als ich diesen Baum das erste Mal sah fiel mir sofort die schöne Rinde und Form der Stämme auf .Leider waren auf der einen Seite es Baumes keine Äste vorhanden, so das sich eine Gestaltung zur windgepeitschten Form anbot. Mit dem Besitzer des Baumes Herrn Werner Busch wurde ich schnell handelseinig. Von ihm bekam ich auch die Information dass diese Lärche im 3. Jahr in der Schale stand.

Bild 1 Lärche im Rohzustand



Im danach folgenden Frühjahr 1999 konnte die Gestaltung also beginnen. Damals noch sehr unerfahren mit solch alten Bäumen entschloss ich mich zu einem Workshop bei Herr Werner Busch, um unter Aufsicht die Arbeit zu beginnen. Einer der Stämme musste bis auf ein zu Jin gestaltetes Stück entfernt werden. Der gesamte Baum musste gekippt werden und die einzelnen Etagen wurden relativ flach angelegt. Diese etwas außergewöhnliche Art der Etagenanlegung wird nur bei der windgepeitschten Form gewählt, weil sich hier die Äste durch die starke Naturgewalt kaum nach oben strecken können. Zum Schutz der Äste die stark gebogen werden mussten benutzte ich teilweise Raffia .Wegen des guten Zustandes der Wurzeln konnte der Baum direkt danach noch umgetopft werden. Hierzu benutzte ich eine Schale von Brian Albright, die mir passend schien und ausreichend groß war. Durch die Reduzierung des Grüns bei der Grundgestaltung war eine Reduzierung der Wurzelmenge unproblematisch und somit auch recht sinnvoll.

Bild 2 Lärche in Bearbeitung



In den folgenden 2 Jahren wurde der Baum sorgfältig gepflegt und durch Rückschnitt und rechtzeitigem Pinzieren zu einer besseren Verzweigung und Verjüngung gebracht. Im Jahr 2001 entschloss ich mich den Baum auf der Ausstellung des Bonsairegionalverbandes NRW zu zeigen. Die Lärche nahm dort an der Lärchensonderausstellung teil und belegte den 1. Platz sowie den 2. Platz in der Gesamtbewertung.

Bild 3 Lärche bearbeitet



Die Bewerter bemängelten allerdings die Schalenfarbe sowie die Form der einzelnen Astetagen. Der Kritik in Sachen Schale musste ich zustimmen, aber die Form der Astetagen erscheint mir weiterhin natürlicher in flacher Form als voluminös herausgearbeitet. Eine neue Schale fand ich bei einem Besuch in der Töpferei KLIKA in der Tschechischen Republik. Diese länglich gezogene etwas abgerundete Platte ist etwas kleiner als die ursprüngliche Schale gibt wunderbar Struktur und Farbe der Rinde wieder.
1. Der wichtigste Vorteil aber ist, die Form der Platte, die eine stärkere Neigung des Baumes und somit eine dynamischere Darstellung der Gestaltung erlaubt .Im Jahr 2002 war es dann soweit ,beim 3 Seminar der Scuola d ´ Arte Bonsai unter Meister Hideo Suzuki sollte die Überarbeitung des Baumes beginnen. Nach eingehender Prüfung des Meisters riet Er mir den ehemaligen Jin den ich mittlerweile zu einem Shari umgestaltet hatte, auf die große Wurzel im vorderen Bereich auszuweiten um mehr Natürlichkeit zu erzeugen. Weiterhin entfernte ich einen Ast im vorderen Bereich des Hauptbaumes der den Blick auf die Bewegung des Stammes störte. Der Baum wurde wieder gedrahtet und seine Äste zurückgeschnitten sowie wenn möglich, eine neue Verjüngung erzeugt. Dieses regelmäßige Zurücknehmen auf die nächste Verjüngung ist besonders im Kronenbereich einer Lärche wichtig, weil sonst die Verzweigung sich sehr unschön verdickt. Nachdem die Arbeiten abgeschlossen waren, begann das Umtopfen. Eine sehr starke Wurzel im hinteren Bereich musste teilweise entfernt werden um den Baum in die schmale Schale zu bekommen. Den übergebliebenen Bereich nutzte ich für einen Jin um eine große Schnittstelle zu vermeiden.

Bild 4 Lärche nach der Bearbeitung



Alle anderen Wurzeln wurden ebenfalls massiv zurückgeschnitten so dass mir fast angst und bange wurde. Meister Suzuki allerdings machte sich keine Sorgen da sich in den letzten Jahren ein sehr feines kompaktes Wurzelwerk gebildet hatte. Mein Erdsubstrat aus je 1. Teil Akadama, Lava und Lutite würden schon für schnelles und gesundes Wurzelwachstum sorgen. Nach dieser Prozedur wurde die komplette Erdoberfläche mit verschiedenen Moosen bedeckt die neben dem attraktiven Aussehen auch noch den Vorteil haben den Boden vor dem Austrocknen zu schützen .Im Frühjahr 2002 pflegte ich den Baum besonders gut (öfters am Tag besprühen ) so dass ich mit einem sehr schönen Austrieb belohnt wurde. Allerdings zeigte sich das die Spitze des Baumes die sich als flache Etage darstellt, zu schwer aussah. Es schien als würde der Baum kippen .Abhilfe sollte ein Gespräch mit Meister Kaneko aus Omiya schaffen der sich im Mai 2002 in Deutschland aufhielt um einige Seminare und Demos abzuhalten .Meister Kaneko riet mir die Spitze stark auszudünnen und die eine große Etage in mehrere kleinere zu unterteilen .Weiterhin entfernte ich noch 2 Äste deren Bewegung nicht ganz der des Baumes entsprachen
.Das diese Äste unnötig waren, sieht man deutlich daran das man zwischen Bild 4 und Bild 5 keinen Unterschied bei der Menge der Äste sieht, nur die Spitze ist deutlich leichter. Ich finde der Baum hat nun ein sehr schönes harmonisches Erscheinungsbild ohne dass die Dynamik verloren gegangen wäre. Ich bilde mir ein „die Kraft des Windes“ zu spüren.
Später soll eventuell die Spitze des Baumes auf die heutige 2. Astetage verlagert werden, wenn genug Verzweigung dort besteht. Ich hoffe somit die Dynamik noch erhöhen zu können.
Im Jahr 2003 soll der Baum in seiner jetzigen Erscheinungsform bei den Deutschen Bonsaitagen in Hof ausgestellt werden.

Bild 5 Lärche im jetzigen Zustand Urheber Landscape



Yamadoriefieber
Der gemeine Wacholder