Der gemeine Wacholder

Der Gemeine Wacholder
(Juniperus communis)

Vorwort

Dem "Gemeinen Wacholder" geht in der Bonsaiszene der Ruf voraus, besonders schwer kultivierbar zu sein. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich viele Vorurteile gegen den Wacholder als halt- oder gegenstandslos.

Meine nachfolgende Darstellung ist schon deshalb so umfangreich geworden, weil es eine Vielzahl botanischer Erkenntnisse zum "Gemeinen Wacholder" gibt. Darüber hinaus ist sie meine persönliche Lieblingspflanze unter den Bonsais.

Im Folgenden werden nicht nur die wissenschaftlichen Fakten, sondern auch meine persönlichen Erfahrungen zu diesem Gehölz wieder gegeben.


Taxonomie

Botanische Pflanzenfamilie: Cupressaceae
Deutsche Pflanzenfamilie: Zypressengewächse

Botanischer Name: Juniperus communis L s.l.
Deutscher Name : Gemeiner Wacholder, Heide-Wacholder, Echter Wacholder

Unterart: Juniperus communis ssp. communis
Deutscher Name: Gewöhnlicher Heide-Wacholder, Gewöhnlicher Echter Wacholder

Unterart: Juniperus communis. ssp. alpina Celak.
Deutscher Name: Zwerg-Wacholder. Alpen-Wacholder



Mundartliche Bezeichnungen

Gehannlich, Jachelbeerstrauch, Jochondel, Jechel, Johannel, Kranewitt, Kronawitt, Kranawett, Kranebeere, Kranabeer, Krabier, Krammet, Kaddig, Kannlich, Machandel, Macholder, Queckholder, Räucherstrauch, Reckholder, Weihrauchbaum, Wechelder, Wechiltur, Wachel, Wackel, man kennt mehr als 150 verschiedene Bezeichnungen für den Wacholder

Namenserklärung

Der Name Juniperus ist römischer Herkunft und ist abgeleitet vom lateinischen juvenis = Jüngling / Mädchen und parere = gebären, welches auf die abtreibende Wirkung der Beerenzapfen zurückzuführen ist.
Der Name Wacholder ist auf das deutsche Sprachgebiet beschränkt und tritt seit dem 15 Jahrhundert auf. Er ist aus dem althochdeutschen wehal (wachal) für kräftig, immergrün, lebensfrisch abgeleitet, von dem wiederum das mittelhochdeutsche wechalter stammt. Der Artname communis bedeutet soviel wie "häufig vorkommend".
Viele der mundartlichen Namen leiten sich vom Verwendungszweck ab. So leiten sich Weihrauchbaum und Räucherstrauch, vom aromatischen Geruch der Zweige und Zapfen beim Räuchern ab. Aus dem bayrischen entstammt die Namensgebung Kranewitt, (Kranewitter, Kranewitterbeere), die aus dem Althochdeutschen krano ("Kranich") und witu ("Holz") entstanden ist. Aus Pommern ist die Bezeichnung Kniste- oder Knastebusch die angelehnt ist an das Knistern des verbrennenden Holzes. Weckholder, Qeuckholder entstammen dem niederdeutschen aus queck für "lebendig, lebensfrisch".

Mythologie und Brauchtum

Der Wacholder galt früher als "Hüter der Schwelle" und wurde somit als Schwelle zwischen Leben und Tod. Man glaubte, die Seelen seien dem irdischen Dasein nicht unwiederbringlich verloren, sondern unter bestimmten Umständen wiedererlaubt, zurückkehren. Bis dahin würden sie sich im Wacholderbaum aufhalten, der ihnen "Schutz" gewährte. Dem Wacholder zugesprochene Fähigkeit drückt sich auch in seinem alten Namen aus und beziehen sich unmittelbar auf das Wort "Wachhalter".

(Auszug aus Hermann Löns: Der Traum)

" Machandel, lieber Machandelbaum,
in Trauern komm ich her,
ich träumte einen bösen Traum,
das Herze ist mir schwer..."

Ob sich dieser Brauchtum noch heute nachweisen lässt, ist fraglich. Die vielen Wacholder auf Gräbern sind wohl eher in der pflegeleichten Eigenschaften des Wacholders als Grabbepflanzung begründet.
Brennende Wacholderstämme wurden in Zeiten der Pest zum Schutz vor Ansteckung überall auf den Plätzen der Städte angezündet. Ferner wurden Häuser und Krankenstuben damit ausgeräuchert. Ebenfalls zog man Bannkreise mit in Wacholderöl getauchten Edelsteinen um die Kranken vor Infektionen zu schützen.

Die Lappen kennen den Brauch, in der Hütte eines gerade Verstorbenen, Wacholderzweige zu verbrennen. Mit einer Juniperus communis verwandten Art (Juniperus excelsa) wird dies ebenfalls in Tibet bei Kranken angewandt.
Selbst Pfarrer Kneipp und Hieronymus Bock wussten über den Wacholder zu berichten und so schrieb Pfarrer Kneipp: "Die Beere räuchert gleichsam den Mund und den Magen und feit vor Ansteckung".

Ein ursprünglich heidnisches Ritual bei dem Wacholder mit Salz und Eingeweiden verbrannt wurde, übernahmen christliche Missionare. Hier wurde Wacholder anstatt des noch nicht bekannten orientalischen Weihrauches für die Weihe eingesetzt.
Auf der Insel Rügen steckte man als Schutz vor dem Teufel ein Wacholderzweig mit in das Fundament, während man in alten norddeutschen Fachwerkhäusern noch heute Wacholdernadeln als Mäuseschutz unter den Erdgeschossdielen findet.
Da man dem Baum zusprach, Sitz des Vegetationsgeistes zu sein, schnitt man in manchen Gegenden die so genannte "Lebensrute" aus ihm, und versprach sich davon ein gutes Weide- und Erntejahr..
Im Altertum soll auch ein Trank aus den "Beeren" des Wacholders die Gabe verleihen, in die Zukunft sehen zu können.

Charakteristika Erkennungsmerkmale

Habitus
Der Habitus der Pflanze ist sehr vielseitig, schlank hochwachsend, als Gebüsch mit unregelmäßiger Kronenform oder flach über den Boden wachsend. Der Wacholder fühlt sich in jeder Form wohl. Das Höhenwachstum ist allerdings auf 10-15.m begrenzt. Selten werden Stammdurchmesser über 50 cm erreicht. Die Rinde des Baumes ist in der Jugend glatt. Im Alter löst sie sich in dünnen Streifen ab.
Der Stamm kann des Öfteren stark drehwüchsig sein.
Wacholder sind mit einer Lebensdauer von 500-2000 Jahren hinter Taxus bacata (europäische Eibe) die Veteranen unter den Bäumen in Europa

Nadeln
Juniperus communis besitzen im Gegensatz zu vielen anderen Wacholderarten keine schuppenförmigen, sondern ausschließlich nadelförmige Blätter. Er trägt also nur seine Jugendbenadelung und gehört somit zu den Retinosporaformen.
Die Nadeln können je nach Standort und Art bis zu 2 cm lang werden.
Sie sind steif, stechend, graugrün und haben auf der Oberseite einen weißen Streifen mit schmalen grünen Rändern. Die Nadelstellung ist mit 3 Nadeln die sternförmig im Quirl stehen recht außergewöhnlich. Knospen entstehen am Wacholder erst gar nicht, einige unterentwickelte Nadeln schützen die Triebspitze. Dieses Phänomen bietet dem Wacholder die Möglichkeit, bei längeren Schönwetterperioden, auch im Winter noch zu wachsen. Der Grund hierfür ist der geringe Energieverbrauch der Pflanze zum Öffnen des Triebschutzes gegenüber dem Öffnen der Knospe bei anderen Nadelbäumen.
Die Nadelform und deren Größe variiert meiner Erfahrung nach erheblich.

Geschlecht Vermehrung

Der Wacholder ist botanisch gesehen zweihäusig. Es gibt also nur männliche oder weibliche Exemplare. In seltenen Fällen entstehen auf einem Baum männliche oder weibliche Blüten.
Die Standortbedingungen haben einen erheblichen Einfluss auf das Geschlechterverhältnis in der Wacholderpopulation. Auf trockenen Sandstandorten oder bei der Neubesiedelung von Flächen treten viel häufiger männliche als weibliche Exemplare auf, die häufig noch steril sind und die auch für mehrere Jahre bleiben.
Müssen also die Männer die Lage testen oder findet etwa eine Geschlechtsumwandlung statt? Niemand hat es bis jetzt wissenschaftlich untersucht.

Die Blüten stehen an den mittleren Seitensprossen in den mittleren Nadelquirlen eines Zweiges. Die Blüte selbst ist unscheinbar und erscheint je nach Höhenlage und Witterung zwischen Ende April und Anfang Juli. Die Bestäubung erfolgt mit Hilfe von Tropfen auf der weiblichen Blüte, die den männlichen Pollen einfangen und bei deren Eintrocknung einsaugen. Die Befruchtung findet allerdings erst 2-3 Monate später statt.
Nach der Befruchtung vereinen sich die obersten drei Schuppenblätter (Fruchtblätter) und wachsen zu einem kugelförmigen Beerenzapfen heran, der den Samen völlig einschließt.

Nun zu einer botanischen Richtigstellung: Es gibt bei Nadelgehölzen keine Beeren (Früchte). Bereits wenig später ist der Zapfen komplett geschlossen, aber die Schuppen sind noch erkennbar, sodass unschwer klar wird, dass es sich um einen Zapfen handelt.
Die Samen reifen erst im zweiten, oftmals auch im dritten Jahr. Ist der Samen reif, ist seine Farbe schwarzrot mit fleischiger Konsistenz und dem typischen Wachsüberzug.
Die Verbreitung der Beerenzapfen erfolgt meist über Vögel, wie Amsel, Ring-, und Misteldrossel, Wacholderdrosseln ("Krammetsvögel"), Birk-, und Schneehühner, sowie Alpenkrähen. Die Keimfähigkeit der Samen wird allerdings durch diese Verbreitungsmethode stark herab gesetzt.

Unterscheidungsmerkmale bei den Unterarten

Dazu gibt es erheblichen Erklärungsbedarf! In meiner Ausführung zum Thema Taxonomie habe ich absichtlich nur die zwei am meist verbreitesten Unterarten von Juniperus communis erwähnt. Dies geschieht mit der Absicht, die Bonsaiwelt nicht noch mehr zu verwirren. Im wissenschaftlichen Sinne gibt es sechs Unterarten von Juniperus communis, von denen zwei für den Bonsaianer von Bedeutung sind. Diese zwei unterscheiden sich im Wesentlichen durch folgende Merkmale:

Juniperus communis ssp. communis : stechende Nadeln, kugelige Beerenzapfen
Juniperus communis ssp. alpina. Celak: weichere Nadeln, ovale Beerenzapfen

Während Juniperus communis ssp. alpina. Celak meist in Höhenlagen vorkommt, ist die Hauptverbreitung des Juniperus communis ssp. communis in Ebenen und im Mittelgebirge. Insgesamt betrachtet ist die Vielfalt der unterschiedlichen Wacholderformen jedoch erheblich.
Fakt ist aber auch, dass Juniperus communis ssp. communis in Höhenlagen in großen Ansammlungen vorkommt. Für den Juniperus communis ssp. Alpina Celak kann ich ein Aufkommen im Mittelgebirge und in den Ebenen nicht bestätigen.

Das Aussehen der verschiedenen Unterarten variiert erheblich. Die Farbe der Nadeln und deren Abstände sind bei beiden hier aufgeführten Arten sehr verschieden, sodass eine genaue Bestimmung oftmals nicht möglich ist.
Auf die Frage, ob eine natürliche Hybridbildung möglich ist, konnte ich trotz umfangreicher Recherchen keine Antwort finden. Nach meiner Meinung wäre eine Hybridbildung eine schlüssige Erklärung für die extreme Vielfalt von Wacholdererscheinungsformen. Falsch ist hingegen ist sicherlich die Aussage einiger "Wacholderkenner", dass das unterschiedliche Geschlecht Einfluss auf das Erscheinungsbild hat.
Juniperus communis, die als Bonsai kultiviert werden, neigen oftmals dazu, ihre Erscheinung zu verändern. Daran haben Faktoren, wie Nährstoffzufuhr, Lichtmenge und Feuchtigkeit, sicherlich einen großen Anteil.

Zuchtvarietäten

Wegen seinem häufigen Vorkommen in der Gartengestaltung (Heckenpflanze, Heidegarten) sind viele Zuchtsorten von Juniperus communis entstanden. Nahezu jedes Erscheinungsbild ist im Pflanzenfachhandel zu erwerben.
Besonders herauszustellen ist eine Zuchtform die in Holland entstanden ist. Diese kleinwüchsige Art zeichnet sich durch besonders kleine dichte Nadeln, die nicht stechend sind aus. Das Dickewachstum des Stammes ist außergewöhnlich stark, sodass nach wenigen Jahren Kultivierung schon recht ansehnliche Bonsairohpflanzen heranwachsen.

Standortbedingungen

Wolle man diese Abhandlung kurz halten, so wäre der Satz: "Der Wacholder verträgt alles nur keinen Schatten" genau der richtige Aufmacher!
Dazu nun die ausführliche Erklärung ! Das Lichtbedürfnis von Wacholder ist in der Tat besonders hoch. Aus diesem Grunde wachsen Wacholder auch nur auf freier Fläche und in sehr lichten Waldbeständen. Lichtdruck von Nachbarpflanzen wird im Allgemeinen nicht toleriert und endet mit dem Absterben der Pflanze. Restbestände von Altpflanzen in dicht gestaffelten Wäldern stammen noch aus der Zeit, als im Mittelalter die Waldflächen Mitteleuropas nahezu abgeholzt waren. Diese Altpflanzen sind in einem kümmerlichen Zustand, sodass eine Vermehrung unter diesen Standortbedingungen kaum möglich ist. An den Boden stellt der Wacholder keine Ansprüche. Er toleriert nasse sowie auch sehr trockene Böden. Kalk- oder Silikatgestein. Auch der pH- Wert spielt keine Rolle. Allerdings werden von Juniperus communis ssp. alpina. Celak kalkhaltige Böden eher bevorzugt. Der Juniperus communis wächst am Meer genauso gut wie in der Höhe. Mit einer Pflanze auf 3570 Höhenmetern (Wallis/ Schweiz) ist er das am höchst steigende Gewächs Europas.



Vorbereitete Yamadoripflanze am Orginalstandort 



Verbreitungsgebiet

Juniperus communis ist vermutlich die am weitest verbreitete Konifere der Welt. Ihr Verbreitungsgebiet reicht in Europa im Norden von der Küste des Eismeeres bis in den Süden nach Zentralspanien, Sizilien, dem Peloponnes und zu den nordafrikanischen Gebirgen. Von Ost nach West reicht die Verbreitung von den britischen Inseln bis zum Kaukasus und dem Himalaja. Außerdem kommt Juniperus communis in Südgrönland und Nordamerika vor. In Deutschland ist Juniperus communis durchgehend in den Kalkgebirgen Süddeutschlands den Kalkalpen, der Schwäbischen und Fränkischen Alb, den Sandgebieten der Lüneburger Heide, und der Lausitz verbreitet.



Abb. 4 Wacholderheidelandsch. in NW-Deutschland 



Ökologie und Naturschutz

"Wacholder die heilige Kuh des Naturschutzes?"

Der Naturschutz steht in Deutschland sehr eng im Zusammenhang mit dem Wacholder.
Die erste Ausweisung eines Naturschutzparks im Jahr 1921 in der Lüneburger Heide betraf unmittelbar die Erhaltung der Wacholderbestände und deren Pflanzgemeinschaften. Der starke Rückgang der Wacholderheiden in Norddeutschland ließ die damalige Regierung zu dem Schluss kommen, dass ein Erhalt dieser urwüchsigen kargen Flächen nur durch ein Naturschutzgebiet zu retten sei. Noch heute steht Juniperus communis in ganz Deutschland unter Naturschutz. Das heißt, es ist verboten, Pflanzen oder deren Teile (Äste, Samen) aus der Natur zu entfernen.
Um diesen Vorgang ganz zu verstehen, müssen einige geschichtliche Hintergründe dargestellt werden.
Bis zum 16. Jahrhundert waren Wacholder in Deutschland sehr weit verbreitet. Dies entwickelte sich durch die großflächigen Abholzungen in den vorangegangenen Jahrhunderten. Durch den hohen Holzbedarf für die Bevölkerung als Brenn,- oder Nutzholz waren große Brachflächen entstanden, die durch anschließende Beweidung keinen anderen Pionierbewuchs, wie den mit Wacholdern, zuließen. Erst mit der kontinuierlichen Wiederaufforstung in den letzten zwei Jahrhunderten verschwanden die großen Flächen, auf denen überwiegend Wacholder wieder wuchsen. Sollen heute die letzten dieser Flächen erhalten bleiben, müssten diese durch entsprechende Schafbeweidung offen gehalten werden. Anderen Baumarten gelingt die Vermehrung auf so intensiv beweideten Flächen nur, wenn die Jungpflanzen sich im Schutz der im Alter oftmals weit auseinander fallenden Kronen des Wacholders entwickeln können (Ammenverjüngung).
Fehlt eine Beweidung an diesen Magerstandorten, so kommt es recht schnell zur Wiederbewaldung und der damit verbundenen Verkümmerung der Wacholder infolge der Beschattung.
Der Wacholder bietet in seinem Lebensraum vielen Tieren Schutz vor der Witterung und dient als Zufluchtsort. Im Frühling dienen die männlichen Wacholderblüten den Bienen als Pollenspender. Darüber hinaus ist der Wacholder ein wertvolles Vogelschutz- und Nährgehölz.

Nutzung und Heilkunde

Fortwirtschaftlich ist das Holz des Wacholders von geringer Bedeutung. In früherer Zeit wurde er "forstlicher Proletarier" genannt, heute aber als schützenswerter Baum "Edelmann der Hölzer" bezeichnet. Das Holz ist weich, aber zäh, elastisch, schwer spaltbar, dauerhaft und weitgehend resistent gegenüber Insektenbefall.
Es hat einen typisch kampferartigen Geruch und enthält kein Harz.
Das Holz ist gut für Schnitz- und Drechselarbeiten geeignet und wird in der Kunsttischlerei verarbeitet. Weiterhin werden Pfeifen, Spazierstöcke, Holzschuhe und Bleistifte daraus hergestellt.

Wegen seines einzigartigen Aromas wird es zum Räuchern von Fleisch und Fisch eingesetzt. Das Grün findet Verwendung in der Kranz- und Korbflechterei.
Am bekanntesten ist wohl die Verwendung der Beerenzapfen, z.B. als Gewürz beim Kochen, zur Branntweinherstellung, zum Räuchern und für verschiedene Heilmittel.
In den Beerenzapfen befinden sich neben ätherischen Ölen auch etwa 30% Zucker.
Deshalb werden sie vergoren und destilliert, wobei das Öl in das Produkt mit eingeht.
Das fertige Produkt wird dann, je nach Herkunft, z.B. Gin, Genever, Doornkaart, oder Steinhäger genannt.

In Großbritannien, wo Gin als Kulturgut behandelt wird, achtet man besonders auf die Qualität der Beerenzapfen die unmittelbar mit dem Gehalt an ätherischen Ölen zusammenhängt. In Gebieten mit höherer Strahlungsintensität (Südeuropa) liegt dessen Gehalt mit 2 % weit über dem Gehalt der Mitteleuropäischen Beerenzapfen (ca. 0,6-0,9 %). Somit enthält Gin aus den traditionell besten Brennereien Großbritanniens nur ausgesuchte "Beeren" aus der Toskana.

Die Indianer Nordamerikas kannten eine weitere Nutzung der Wacholderpflanze. Sie lösten die innere Rinde vom Baum und kauten diese vitamin- und mineralsalzreiche Speise in Notzeiten.

Noch im letzten Jahrhundert stampfte man in den Alpen, Salz Wacholdernadeln, Alpenrosenzweige und Gerste zu "Gläck" ein Viehlecksalz zusammen.
Im Mittelalter gehörte der Wacholder zu den wichtigsten Pflanzen der Heilkunde.
Selbst auf altägyptischen Papyrusrollen ist von Wacholderbeeren als Heilpflanze die Rede. Die wichtigste Eigenschaft in diesem Zusammenhang ist sicherlich die Anregung auf die Nieren. Die Einnahme von Wacholderbeeren am Stück oder als Aufguss wirkt harntreibend und somit reinigend, was man sich bei Gicht, Rheuma und Wassersucht zu Nutze macht. Eine übermäßige Einnahme kann allerdings zu Nierenreizung und Herz- Kreislaufproblemen führen.
Früher wurde Wacholderöl auch als Antiseptikum eingesetzt. Selbst auf die Lunge wirkt das ätherische Öl des Wacholders abwehrsteigend und keimtötend, sodass das Kauen einiger Beeren oder das Inhalieren des Öls bei Bronchitis, Grippe und Erkältung, Linderung versprechen.
Um eine brauchbare Menge der zunächst süßlich, dann bitterherb schmeckenden Wacholderbeeren zu sammeln, bedarf es wegen der stechenden Nadeln großer Ausdauer und Unempfindlichkeit, weil oftmals die Berührung der Nadeln schon zu Hautreizungen führen kann.

Schädlinge und Krankheiten

Tierische Schädlinge sind bei Wacholdern in der Natur oder als Bonsai recht selten. Dennoch gibt es einige, die der Pflanze mehr oder minder großen Schaden zufügen können.

Tierische Schädlinge

-Wacholder-Deckelschildlaus-
Dieser recht gut zu erkennende, auffällig hellgrau gefärbte Schädling kann in großen Massen vorkommen und erzeugt verfärbte Nadeln und vertrocknete Triebe. Eine Bekämpfung ist im Allgemeinen nur mit einem chemischen Spritzmittel gegen saugende Insekten möglich.

-Wacholderbaumlaus-
Diese etwa 1.-3.mm großen schwarzen Schadsauger verursachen Nadelvergilbungen und vorzeitigen Nadelfall. Sie stellen aber selten ein größeres Problem da, weil eine Behandlung mit natürlichen Schädlingsbekämpfungsmitteln meist schon zum Erfolg führt.

- Wacholdergespinstmotte-
Fraßschäden und auffällige Gespinstnester kennzeichnen eine Schädigung durch dieses Insekt. In der Regel stellt das aber kein Problem dar, da ein manuelles Absammeln der Tiere und eine Vernichtung der Gespinstnester möglich ist.

- Kiefernnadelwickler-
Diesen häufiger bei Kiefern vorkommenden Schädling zeigt in etwa das gleiche Schadbild wie die Wacholdergespinstmotte und kann genauso behandelt werden, wie diese.

- Nadelholzspinnmilben-
Grüngelbliche Sprenkelung der Nadeln weißt auf einen Befall mit diesen nur bei Vergrößerung sichtbaren Schädlingen hin. Eine Behandlung ist nur mit chemischen Bekämpfungsmitteln aus dem Fachhandel möglich und sollte möglichst schnell erfolgen, da ein übermäßiger Befall von Spinnmilben eine akute Gefahr für das Leben des Baumes (Bonsai) ist.

Pilzkrankheiten

Weit größer als die Gefahr durch Schadinsekten ist bei Juniperus communis die Gefahr einer Infektion mit Pilzkrankheiten.

Zweigsterben:

Dieser nicht näher bekannte Pilz ist wohl die häufigste Ursache für das Absterben von Wacholderbonsai. In der Natur tritt dieses Phänomen selten auf. Das Schadbild erscheint ohne Vorankündigung und schreitet extrem schnell vorwärts. Die Triebspitzen verändern Ihre Farbe und werden trocken.
Die befallenen Äste werden spröde und sterben ab. Oftmals sind große Teile des ganzen Bonsai befallen. Jahrelange Pflege- und Gestaltungsarbeit kann unter Umständen umsonst gewesen sein. Der Verlauf der Krankheit kann je nach Witterung sehr schnell vonstatten gehen. Mir selbst ist ein Fall bekannt, wo bei heißem Wetter, sich der gesamte Krankheitsverlauf bis zum Absterben des Astes innerhalb von 24 Stunden vollzogen hat. Ob es ein wirksames Fungizid gegen diese Symptome gibt ist mir nicht bekannt.
Ich selber benutze ein Fungizid mit dem Wirkstoff....... rein prophylaktisch. Ob diese Behandlung Erfolg hat lässt sich nicht genau klären. Meiner Meinung nach sind andere Faktoren zur Gesunderhaltung von Juniperus communis weitaus wichtiger. Auf diese Aspekte werde ich aber noch im Teil "Wacholder als Bonsai " genauer eingehen. Auf jeden Fall ist es zu empfehlen, ein wirksames Fungizid regelmäßig, als reine Vorsichtsmaßnahme, in jeder neuen Wachstumsphase aufzubringen. Ich persönlich spritze vor dem Frühjahraustrieb, unmittelbar beim Frühjahrauftrieb sowie beim Johannistrieb und während der stärksten Wurzelwachstumsphase etwa ab Mitte August.

Gitterrost

Hier gilt es eines der großen Missverständnisse um Juniperus communis auszumerzen.
Allgemein geläufig ist die Meinung, dass der Juniperus communis oftmals mit Birnengitterrost befallen wird. Dies ist ein Trugschluss! Richtig ist, dass der Weißdorn-Gitterrost (Gymnosporangium clavariaeforme) häufig einen Wirtswechsel auf Juniperus communis und Juniperus oxycedrus vollzieht. Diesen Rostpilz findet man auf allen Sorbus- und Crataegusarten, leider aber auch an der Felsenbirne( Amalanchier sp.) .Der eigentliche Birnengitterrost (Gymnosporangium sabinae ) befällt den chinesischen Wacholder (Juniperus chinesis) und den Sabina-Wacholder (Juniperus sabina)und steht im Wirtswechsel mit den Pyrus- Arten( Holzbirne).
Beide Erscheinungsbilder der Rostpilze ähneln sich stark und sind für den Laien nicht unterscheidbar.
Sehr deutlich erkennbar sind an den Juniperusarten die sehr heterogenen gallertartigen orange- rötlich gefärbten Auswüchse, die in den ersten feuchtwarmen Tagen des Frühjahres erscheinen. Diese Auswüchse sind nichts anderes als so genannte Teleutosporenlager. Diese beinhalten die Sporen (Basidiosporen), die für die Infektion der oben beschriebenen Arten während des Austriebs verantwortlich sind. An den infizierten Arten (Sorbus.... etc.) bilden sich zuerst gelb-orange Flecken, die im Laufe des Sommers rot werden und auf der Blattunterseite zerschlitzte Sporenlagen (Aecidien) bilden. Diese hier gebildeten Sporen infizieren nun damit noch nicht befallene Wacholder (Dicaryontenwirt). Im Bereich der befallenen Rinde bilden sich nach der Abtrocknung der Teleutosporenlager unschöne Verdickungen der Zweige. Ein Absterben der befallenen Teile ist selten zu beobachten.
Während ein Befall und eine Wiederinfektion der Rostpilze bei den Haplontenwirten ( Pyrus, Sorbus ...etc) verhindert werden kann ( Fungizid), ist bei Dicaryontenwirten ( Juniperus) eine Neuinfektion nicht zu erwarten, da der Myzel des Pilzes in der Rinde überwintert.
Zusammenfassend kann man sagen, dass ein einmal befallender Wacholder für immer "verloren". ist. Sicherlich ist es möglich, die gerade anschwellenden Teleutosporenlager mechanisch abzureiben und anschließend die befallene Stelle mit einem Fungizid zu bestreichen. Das Anschwellen der Zweige wird hierdurch zwar stark vermindert, aber krank bleibt der Baum trotzdem.
Ich rate, man sollte auf die Gestaltung von infizierten Wacholdern verzichten.
Schwieriger ist die Entscheidung dann, wenn ein bereits gestalteter Wacholderbonsai neuinfiziert wird. Mich bewegen ethische und moralische Bedenken einen solchen Baum zu zerstören.. Allerdings sollten solche Bäume keinesfalls auf Ausstellungen präsentiert werden. Nur gesunde Bäume gehören ausgestellt!
Die Gefahr einer Neuinfektion ist allerdings nicht sehr groß, wenn eine regelmäßige prophylaktische Spritzung mit entsprechenden Fungiziden während der Ausbreitungszeit der Sporen im Hochsommer (August) vorgenommen wird.

Der Gemeine Wacholder als Bonsai

Pflanzenbeschaffung

Die Vermehrung von Wacholdern ist nicht sehr kompliziert. Möglich ist eine Vermehrung aus Samen und die Stecklingsahnzucht. Allerdings gehe ich nicht weiter auf dieses Thema ein, weil es fast ein ganzes Menschenleben dauert, eine geeignete Bonsairohpflanze selbst zu ziehen. Eine Abmoosung bei Juniperus communis scheint wegen der schlechten Wurzelbildung auch fast unmöglich. Jedenfalls ist mir kein erfolgreicher Fall bekannt. Möglich erscheint das Abmoosen nur bei Jungpflanzen. Ob dies aber sinnvoll, ist bleibt jedem selbst überlassen.

Um hervorragende Wacholderbonsai zu erhalten wird man größtenteils auf Yamadori- Pflanzen zurückgreifen müssen. Da diese sehr schwer zu beschaffen sind, da die Pflanzen in Deutschland unter Naturschutz stehen, sind oft abenteuerliche Manöver nötig, um Wacholderyamadori im Ausland zu beschaffen. Das ist aber nicht der einzige Grund für die Rarität von Wacholderfindlingen. Das Ausgraben aus der Natur ist extrem schwierig. Wacholder neigen in der Natur dazu, ein ausgeprägtes weit verzweigtes, Wurzelsystem zu bilden. Dies erschwert das Ausgraben in erheblichem Maße und verringert die Aussicht auf ein erfolgreiches Wiederanwachsens in der Schale. Oftmals wird die Pflanze in der Natur, im jährlichen Abstand, durch ein Abstechen der Wurzeln an einem Teil des Wurzelwerks, auf ein Leben in der Bonsaischale vorbereitet. Wacholder aus Hochmooren eignen sich besonders gut als Yamadori, weil sie meist von Natur aus schon ein sehr kompaktes Wurzelwerk haben. Dies begründet sich aus der hohen Bodenfeuchte und des großen Nährstoffangebots an solchen Standorten.

Grundsätzlich sollte man keine Wacholder entnehmen, wenn man nicht über genügende Erfahrung verfügt und die Möglichkeit hat, eine Pflanze jährlich auf die Entnahme vorzubereiten.
Baumschulpflanzen als Wacholder sind leicht zu beschaffen und bieten wegen ihrer Robustheit in Pflege und Gestaltung geradezu hervorragende Möglichkeiten akzeptable Bonsai relativ preisgünstig zu erstehen.

Der Bonsaifachhandel bietet oftmals sehr gute Rohware in verschiedenen Sorten und Größen an, die schon wiederholt zurückgeschnitten wurden. Ein weiterer Vorteil von Baumschulwacholdern ist sicher der relativ geringe Preis. Für Findlinge in Bestqualität werden sehr hohe Preise verlangt, was auch nicht verwunderlich ist bei der Mühe die man investieren muss, um ein Qualitätsexemplar zu finden und es auch noch umzukultivieren. Auch hier bleibt es bei der alten Weisheit " Qualität hat seinen Preis".

WacholderBonsai gestaltet aus Yamadorirohpflanze 



Pflanzenvorbereitung

Ich habe diesem Punkt ein eigenes Kapitel gewidmet, weil ich eine vernünftige Pflanzenvorbereitung für geradezu lebenswichtig bei der Wacholderbonsaipflege halte.
Hier werden meiner Erfahrung nach die größten Fehler gemacht und es kommt somit auch zu den meisten Einbußen an Pflanzen.
Vorweg sei gesagt, dass wohl keine andere Pflanze so sehr darunter leidet, von ihrem natürlichen Lebensraum in eine Schale umkultiviert zu werden. Aber auch hier gilt: "Die Zeit heilt alle Wunden"!

Meiner Erfahrung nach benötigt ein Yamadori in etwa 3. Jahren, um die ersten Anzeichen von Wachstum zu zeigen. Das bedeutet aber keineswegs, dass eine solche Pflanze schon gestaltbar ist. Ab diesem Zeitpunkt ist genau darauf zu achten, wie sich das Wachstum verhält. Ist es gleichmäßig stark und gesund kann der Baum leicht organisch gedüngt werden. Bei guter Bewässerung und optimalem Standort, sowie einer gewissenhaften Krankheitsprophylaxe ( Siehe. Kapitel " Krankheiten"), sollte die Pflanze sich jetzt äußerst vital zeigen. Oftmals ist dies nicht der Fall, sodass eine erneute Überprüfung aller möglichen Fehlerquellen nötig ist. In den meisten Fällen ist jedoch die schlechte Qualität des Pflanzsubstrats die Fehlerursache. Da meistens, richtigerweise das alte Substrat am ursprünglichen Wurzelballen gelassen wird, kommt es durch die oftmals hoch verdichtete Erde zu Staunässe im Pflanzgefäß. Dies fügt dem Wacholder erheblichen Schaden zu und ist dringend zu beheben. Die Entscheidung, wann der richtige Zeitpunkt zum Umtopfen gekommen ist, erfordert ein hohes Maß an Erfahrung, ist aber oftmals nicht zu umgehen.

Rohpflanze in der Anwachsphase 



Es ist schon eine schwierige Angelegenheit abzuschätzen ob der Baum schon vital genug ist, um umgetopft zu werden oder ob man lieber noch eine Wachstumsperiode wartet und hofft, dass die vorhandene Staunässe noch nicht so schädigend auf den Baum eingewirkt hat, dass ein Eingehen zu befürchten wäre. Ein weiterer Vorteil des Umtopfen ist sicher die Möglichkeit den Stamm und den Wurzelansatz von alter Rinde zu befreien, die als Versteck für mancherlei Schädling gilt. Hat man einen Wacholderyamadori selbst ausgegraben, so ist peinlichst genau darauf zu achten, ein sehr wasserdurchlässiges Substrat zu verwenden. Damit wird mindestens gewährleistet, dass die neu entstandenen Wurzeln am Außenrand des Pflanzgefäßes optimal wachsen können.
Nach einer Umtopfaktion leistet sich ein Wacholder meistens ein Jahr "Ruhepause", sodass man also noch mindestens zwei Jahre auf eine Erstgestaltung verzichten muss.
Es ergibt sich also eine Wartezeit von etwa 5-6 Jahren. Verglichen mit dem Alter der Pflanze ist das nur ein "Wimpernschlag". Bei der Lebenserwartung eines Menschen wäre das allerdings schon eine beachtenswerte Spanne. Ist man allerdings bereit, diese Wartezeit auf sich zu nehmen, wird man mit einer außergewöhnlichen und wertvollen Bonsairohpflanze bereichert. Wem diese Wartezeit zu lang ist, sollte besser die Finger davon lassen. Wenn man eine schon gestaltungsfertige Pflanze bei einem Sammler oder Händler ersteht, ist eine besonders zeitintensive Gestaltungsphase von Nöten, um einen schönen Wacholderbonsai nach Jahren zu erhalten. Hier bleibt also nur die Möglichkeit, einen schon reifen Bonsai zu kaufen. Solche Exemplare sind aber recht selten und erzielen einen hohen Verkaufspreis.

Standort Düngung Pflanzsubstrat tägliche Pflege

Ein Wacholderbonsai sollte immer am sonnigsten Standort im Garten platziert werden. Ist dies nicht der Fall, kommt es zur Verkümmerung des Baumes mit der Folge seines Absterbens. Selbst Äste die durch andere Äste beschattet werden sterben ab.
Ein extrem sonniger Standort ist selbst bei noch nicht akklimatisierten Findlingen durchaus angebracht . Der üblichen Verfahrensweise von Bonsaifreunde, frisch ausgegrabene Nadelbäume schattig zu stellen, kann ich nicht zustimmen, weil der Verlust von Sonneneinstrahlung gleichzusetzen ist mit der Reduzierung von Photosynthese. Es kommt zu mangelndem Wurzelwachstum, dass ein Anwachsen des Baumes erschwert. Um den Baum vor dem Austrocknen zu schützen, muss er allerdings mehrmals am Tag übersprüht werden. Das Pflanzgefäß sollte große Abzuglöcher haben damit jegliche Staunässe vermieden wird. Der Wurzelballen sollte weiterhin leicht abgedeckt und so vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, um ein Erhitzen und ein plötzliches Austrocknen des Substrates zu vermeiden. Vorzugsweise sollten als Pflanzgefässe Holzkisten zum Einsatz kommen. Diese schaffen eine angenehmes Mikroklima, erhitzen nicht so leicht und lassen sich in jeder Größe leicht selbst anfertigen. Die Pflanze sollte einen ruhigen Standort bekommen und wenig bewegt werden. Eine sehr feste Verbindung des Wurzelballens mit dem Pflanzengefäß ist darüber hinaus sehr wichtig, um das Wachstum der feinen Haarwurzeln zu fördern und vor Beschädigung zu schützen.

Generell bevorzugen Wacholder die Aufnahme von Feuchtigkeit über das Blattgrün. An ihren Naturstandorten ist dies oftmals die einzige Möglichkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen. Mit dem Wässern des Pflanzsubstrats sollte man hingegen sehr sparsam umgehen, da es durch nicht ausreichend drainierendes Substrat häufig zur Staunässe kommt, auf die Wacholder besonders empfindlich reagieren.

In meiner Praxis hat es sich bewährt, frisch ausgegrabene Bäume mit alter Erde nur bei extremer Trockenheit zu gießen, sie aber so häufig wie möglich zu übersprühen.
Bonsai, die schon in ein für Wacholder geeignetes Substrat gepflanzt sind, können normal gegossen werden. Ein häufiges Übersprühen wirkt positiv auf die Farbe des Nadelgrüns und die Vitalität des Baumes. Ein zusätzlicher Winterschutz ist bei einer gesunden, eingewachsenen Pflanze nicht nötig. Pflanzen die noch kein stabiles Wachstum besitzen sollten gegen frostigen Wind geschützt werden.

An das Pflanzsubstrat werden keine großen Anforderungen gestellt, mit der Ausnahme, dass die Feuchtigkeitsspeicherkapazität nicht so hoch sein sollte. Wie schon in Kapitel "Pflanzenvorbereitung" erwähnt, kultiviere ich frisch entnommene Wacholder in einem extrem durchlässigen Substrat (Fertigmischung aus dem Gewerbebereich für Innenbepflanzung aus je einem Drittel Bims, Zeolith und Lava). Als endgültige Pflanzmischung kommt eine Mischung aus gleichen Teilen Akadama und der oben erwähnten Mischung sowie eines Anteils von ca. 5. % Anzuchterde zum Einsatz.
Umgetopft wird am besten im Spätsommer. Dies ist sicher eher etwas außergewöhnlich, bietet aber gegenüber dem Frühjahr den Vorteil, dass die Wurzeln des Baumes dann ihre stärkste Wachstumsphase haben. Der Grünzuwachs hingegen beschränkt sich meistens nur noch auf ein Minimum.
Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass der umgetopfte Bonsai im Frühjahr schon eine Menge neuer Wurzeln hat und kräftig neu austreiben kann. Topft man im Frühjahr um, so reagieren Wacholder oftmals mit einem Wachstumsschock über die ganze Vegetationsperiode. Generell ist zu bemerken, dass der Juniperus communis keinen starken Wurzelrückschnitt mag.
Bereits gestaltete Pflanzen können mit organischem sowie auch mit mineralischem Dünger versorgt werden. Die Düngegaben können recht großzügig ausfallen, da es wegen der hohen Salzverträglichkeit des Wacholders im Boden nicht leicht möglich ist, die Wurzeln zu schädigen. Frisch ausgegrabene Bäume hingegen werden in den ersten zwei Jahren grundsätzlich nicht gedüngt. Erst im dritten Jahr, wenn ein sichtbares Wachstum des Baumes erkennbar ist, kann leicht organisch gedüngt werden.

Wichtigste Maßnahme zur Gesunderhaltung eines Wacholderbonsai ist die tägliche Pflege. Kontrolle der Bodenfeuchtigkeit, Schädlingsbefall und regelmäßiges Pinzieren des Austriebs, sind die Voraussetzungen für einen vitalen Wacholder.

Gestaltung

Wacholder lassen sich, soweit es die Rohpflanze hergibt, in alle bekannten Bonsaiformen gestalten; mit Ausnahme der Besenform.
Alte japanische Igelwacholder (Juniperus rigida) sollten aber meiner Meinung nach nicht unbedingt als Vorbilder genutzt werden. Der Grundaufbau dieser Pflanze ist erheblich anders als der von Juniperus communis. Während die meisten japanischen Meisterwerke aus großen buschförmigen Pflanzen gestaltet worden sind, werden die europäischen Pflanzen oftmals aus einzelstämmigem Stück aufgebaut. Besonders die der Gattung Juniperus communis alpina sind von höchster Qualität und werden, wenn sich der genügende Reifegrad eingestellt hat, der Klasse der japanischen Exemplare in nichts nachsteht.

Die Gestaltung von Baumschulware ist im Allgemeinen recht unkompliziert. Dicke Äste lassen sich recht leicht biegen. Das Grün treibt auch nach starkem Rückschnitt willig wieder durch. Bei älteren Exemplaren lassen sich hingegen dicke Äste sehr schwer positionieren, da sie oftmals jahrhundertealte Äste haben, die sehr spröde sind. . Eine Veränderung der Position ist nur durch das Abtrennen der Saftbahn mit dem dazugehörigen Grünbereich möglich. Diese Art der Positionierung setzt allerdings voraus, dass der Lauf der Saftbahn genau erkannt wird. Dazu ist sicher einiges an Erfahrung und auch handwerkliches Geschick von Nöten. Oftmals ist diese Methode aber die einzige und letzte Möglichkeit, aus einem scheinbar unmöglichen Material einen guten Bonsai zu gestalten. Es sollte jedenfalls gut abgewogen werden, ob es nicht andere Gestaltungsmöglichkeiten für die Pflanze gibt, um ein gleich gutes Ergebnis zu erreichen. Der Eingriff sollte selbstverständlich nur bei Pflanzen mit einem wirklich guten Gesundheitszustand vorgenommen werden, da er doch eine erhebliche Belastung für den Baum darstellt. Sehr zum Vorteil bei der Gestaltung von Juniperus communis ist dessen Drehwüchsigkeit, die einen interessanten Gestaltungsaspekt zur Geltung kommen lässt. Die Ausarbeitung einer spiralförmig verlaufenden Saftbahn auf einem ausgeprägten toten Stamm lässt diese Bäume besonders alt und ehrwürdig erscheinen.

Interessanter Drehwuchs bei einer Yamadoripflanze 



Rückschnitt

Bei bereits schon fertig gestalteten Pflanzen, pinziert man den Neuaustriebe regelmäßig während der Wachstumsphase. Zu lang gewordene Äste schneidet man im Herbst zurück.
Bei Pflanzen im Aufbau werden Äste die noch dicker werden sollen, nicht geschnitten.
Will man trotzdem schon Nadelpolster aufbauen, wird nur ein Leittrieb nicht geschnitten, und der Rest des Astes schon pinziert. Beim Dickenwachstum von Wacholdern sollte man schon sehr viel Geduld aufbringen, da ein etwa 1 cm dickerer Astes bei ungehindertem Wachstum etwa 4. Jahre benötigt.

Fazit

Ich hoffe, dass der Artikel manchen Bonsaifreund ermutigt hat, es noch einmal mit einem Juniperus communis zu versuchen. Die umfangreichen Recherchen, besonders beim fachübergreifenden Teil, waren nötig, um meine Wissenslücken und die vieler Bonsaifreunde zu schließen.

Der fachspezifische Teil beruht hauptsächlich aus meinen persönlichen Erfahrungen zu diesem schönen, wenn auch nicht ganz einfachen Baum. Er wird sicherlich auch in der Zukunft mein Lieblingsbaum bleiben
Soweit meine Ausführungen einer Ergänzung bedürfen, bitte ich alle, mir diese zukommen zu lassen. Es gilt die Einsicht: " Ein Bonsaianer lernt nie aus".



Christian Przybylski
www.bonsaikultur.de

Quellennachweis:

º)“Mythos Baum“ von Doris Laudert im BLV Verlag
¹)“Mythos Baum“ von Doris Laudert im BLV Verlag
²)Kuratorium „ Baum des Jahres“ Prof. DR. Andreas Roloff, Tharandt
³) LWF- Bericht NR..41 „ Beitrage zum Wacholder“
¹º) „ Rost- und Brandpilze“ von W. Migula Franckh`sche Verlagshandlung Stuttgart

Bildnachweis:

Bild.1, 2, 3,6“ Eginhard Rösner
Bild. 4,5 Autor


Die Kraft des Windes