Wacholder

Wacholder No.1

Bei diesem Baum handelt es um einen Juniperus communis mit einem geschätzten Alter von ca. 200 Jahren.
Durch einen glücklichen Zufall bekam ich 1999 die Möglichkeit, diese Yamadoripflanze aus Frankreich, bei einem Händler in der Nähe, gegen 10 Yamadorifichten einzutauschen.
Eine solche ausdrucksstarke Bonsairohpflanze hatte ich bis dahin noch nie gesehen, auch wenn der Gesundheitszustand der Pflanze noch lange keine Gestaltung möglich machte. So ließ ich den Baum noch 2 Jahre ungehindert wachsen und pflegte Ihn besonders sorgsam.
In dieser Zeit beschäftigte ich mich mit der Struktur des Baumes und seiner Gestaltungsmöglichkeiten. Hierbei stellte sich die Auswahl der Vorderseite als die größte Schwierigkeit da. Schließlich entschied ich mich für die in Abb.1 gezeigte Vorderseite die meiner Meinung nach das Nebari sowie die Stammbewegung besser zur Geltung kommen lässt.


Abb.1 geplante Vorderansicht des Baumes im Herbst 



Im Oktober 2001 machte ich mich nun endlich an die Arbeit. Als ersten Schritt hatte ich das Entfernen der unnötigen Äste und die damit verbundenen Jin- und Shariarbeiten eingeplant.
Um möglichst natürliche Totholzteile zu erzeugen, versuchte ich wo möglich, mit der Hand zu Arbeiten ( Abb.2+3). Etwa 75.% der zu bearbeitenden Teile konnten mit dieser Technik hergestellt werden. Der verbleibende Rest der Totholzteile, meist Zwangsstellen, mussten mit Elektrowerkzeugen bearbeitet werden.

Abb. 2 Jin- und Shariarbeiten 



Abb. 3 Detailaufnahme 



Abb.4 Ansicht des bearbeiteten Totholzbereichs 



Abb. 5 Detailaufnahme 



Die gesamten Arbeiten zogen sich bis in den Februar 2002 hin. Bis auf die Farbe des Totholzbereiches war ich äußerst zufrieden mit dem bisher Entstandenen. Ich nahm mir vor zukünftig Jin und Shari nur mit grau gefärbten Jinmittel zu imprägnieren und wenn dies möglich wäre sogar weitgehend darauf zu verzichten.

Abb. 6 Zustand im Februar 2002 



Der Zuwachs im Frühjahr 2002 war nach der ersten Verabreichung von Dünger sehr kräftig und gesund so dass ich im Juni 2002 mit der ersten Grundgestaltung der Äste begann.
Der Zeitpunkt dieser Arbeit erscheint zwar etwas ungewöhnlich, ist aber meiner Meinung nach wegen der großen Flexibilität der Äste in dieser Zeit sehr günstig.
Alle Äste wurden strukturiert und ausgedünnt so dass möglichst viel Licht auf die inneren Astteile treffen konnte um die Rückknospung anzuregen. Auf ein starkes Einkürzen der verbliebenen Äste verzichtete ich um möglichst viel Saftfluss zu gewährleisten.
Aufgrund der vorher erwähnten Tatsachen wirkt die Krone des Baumes auch noch zu breit und zu dünn. Ziel wird es sein den Grünbereich des Baumes nicht als „grüne Haube“ sondern
als interessant wirkendes gut strukturiertes Gegenstück zum bewegten Stamm darzustellen.

Abb.7 erste Grundgestaltung im Juni 2002 



Die Abbildungen 1 - 7 sind von Landscape 2000 erstellt worden

Nachdem sich der Baum im Frühjahr 2003 sehr gut entwickelt hatte, beschloss ich im Juni die Äste zurückzuschneiden und diese in Ihre endgültige Position zu bringen. Der Baum trieb nach dieser Maßnahme noch einmal willig aus, so dass dem Umtopfen Ende August nichts im Wege stand.
Ich bevorzuge das Umtopfen im Spätsommer, da es dem Baum die Möglichkeit gibt vor dem nächsten Austrieb schon Wurzeln zu bilden. Im folgenden Frühjahr kann der Baum dann ohne den zu befürchtenden „Umtopfschock“ austreiben.
Als Schale benutze ich eine schlichte chinesische Schale die ich schon im Jahr 2000 für diesen Baum gekauft habe. Sie entspricht in Form und Farbe ganz dem Habitus des Baumes.
Im folgenden Winter überwinterte ich aus Sicherheitsgründen den Baum im Kalthaus.
Durch den 2003/2004 nicht vorhandenen Winter und dem geschützten Standort begann der Austrieb schon recht früh in der Aprilmitte. Ich entschloss mich trotz der recht jungen Gestaltung, aber mit der Gewissheit eines neuen Austriebs den Wacholder auf der „Art of Bonsai 2004“ auszustellen.
Die Vorbereitung für Ausstellung nahm einen ganzen Tag in Anspruch.
Neuordnung des Neuaustriebs, säubern und imprägnieren des Totholzbereiches, Herstellung einer perfekten Bodenoberfläche sowie reinigen und pflegen der Schale waren die anstehenden Arbeiten.

Abb.8 "Art of Bonsai 2004". ( Foto. Hans Kastner) 



Der Baum belegte in der Bewertung den 6.Platz und erhielt den „Preis der Jury“.
Wichtiger als die Bewertung ist mir allerdings das der Baum in einem hervorragenden Gesundheitszustand ist und auch gestalterisch, wie ich finde keine großen Mängel mehr aufweißt obwohl mir die Gestaltung der Krone sehr viel „Kopfzerbrechen“ gemacht hat.
Die nächsten Jahre der Pflege werden dem Baum noch ein besseren Reifegrad geben, so dass
bald ein echter Bonsai der „Spitzenklasse“ entstehen kann.

Im Mai 2005 wurde der Wacholder bei den NRW- Bonsaitagen als „Baum des Jahres 2005“ prämiert.

Die Bildrechte der Fotos 1-7 liegen bei Eginhard Rösner

Die Bonsais
Der Schwan